Korffs Glossar zu Klimaschutz, Klimawandel, Energie (2007)

AerosoleAlbedoArktis und AntarktisEmissionshandelEnergieeffizienzErderwärmungerneuerbare EnergienExtremwetterlagenFCKWFolgen des KlimawandelsGemeinsame UmsetzungGletscherGlobal BrighteningGlobal DimmingGolfstromHeiße LuftIPCCIPCC-Bericht 2007JahreszeitenKlimaforschungKlimamodelleKlimaschutzKlimawandelKohlendioxidKohlenstoffsenkenKühlhauseffektKyoto-MechanismenKyoto-ProtokollLachgasLastenteilungMechanismus für saubere EntwicklungMeeresspiegelMethanNordatlantische OszillationOzonOzonlochOzonschichtPositive RückkopplungenSonnenaktivitätSonnenintensitätStern-Report 2006StratosphäreTransformationsländerTreibgaseTreibhauseffektTreibhausgaseTreibhausgas-IntensitätTroposphäreUNFCCCWasserdampfWMO

 

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Aerosole  sind Gemische aus Flüssigkeit und Luft (z.B. Nebel, Wolken) oder festen Teilchen und Luft (z.B. Staub, Rußpartikel). Sie gelangen u.a. durch Vulkanausbrüche in höhere Schichten der Atmosphäre und reflektieren die Sonnenstrahlung ins Weltall, was die Atmosphäre abkühlt (*Kühlhauseffekt).

Albedo: Helle Oberflächen, vor allem die schneebedeckten Eisflächen der Arktis und Antarktis, reflektieren bis zu 80% der auf sie treffenden Sonnenstrahlung in den Weltraum. Diese sog. Albedo wirkt der Erwärmung entgegen. Sie nimmt ab, wenn z.B. das arktische Packeis wegschmilzt. Die dunklere Meeresoberfläche nimmt mehr Sonnenlicht auf und erwärmt sich dadurch.

Arktis und Antarktis: Die schneebedeckte Fläche schrumpfte auf der Erde 1980-2005 laut *IPCC-Bericht (2007) um rd. 5%. Das Meereis der Arktis verzeichnete im Jahresmittel 1978-2005 einen Rückgang um 8% (im Sommer um 22%). Das Meereis der Antarktis blieb dagegen konstant. Die Eisschilde von Grönland und der Antarktis verloren im frühen 21. Jh. an Masse. Der Permafrostboden der sibirischen und nordamerikanischen Tundra wurde in den oberen Schichten 1980-2005 um 3 °C wärmer und nahm an Fläche ab. Die *Gletscher schrumpften im frühen 21. Jh. weltweit.

Climate Change, der *Klimawandel

Emissionshandel: Der Handel mit zertifizierten Emissionsrechten für *Kohlendioxid oder andere Schadstoffe; ein Instrument des *Klimaschutzes. Das *Kyoto-Protokoll von 1997 sieht vor, dass ab 2008 weltweit mit Emissionsrechten für den Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß gehandelt werden soll. Die EU führte den E. europaweit bereits zum 1. Januar 2005 ein. 2004 verteilten die EU-Staaten deshalb an die in ihnen beheimateten Energieversorger und Industrie-Unternehmen Emissionsrechte (Zertifikate) für die Jahre 2005-2007. Betriebe, die durch Energiesparmaßnahmen u.ä. ihre Rechte nicht ausschöpfen, können die überschüssigen Rechte verkaufen. Betriebe, die mit ihrem Kontingent nicht auskommen, müssen Rechte zukaufen. Dieser Mechanismus soll bewirken, dass Klimaschutz-Investitionen dort erfolgen, wo sie am effizientesten sind.

Energieeffizienz nennt man die möglichst effiziente Nutzung von Heizenergie, Bewegungsenergie und anderen Energieformen. Durch Verbesserung der E. von Häusern, Autos, Maschinen usw. kann der Energieverbrauch stark gesenkt werden, was dem *Klimaschutz dient. – Die Bundesregierung zur E.; Energie Impuls OWL

Erderwärmung (Globale Erwärmung, engl. Global Warming): Die durchschnittliche Oberflächen­temperatur der Erde stieg laut *IPCC-Bericht (2007) seit Beginn der Aufzeichnungen (um 1860) um 0,74 °C. Die 11 wärmsten Jahre seit 1860 waren 1993 und später. Am stärksten erwärmte sich die Arktis. Die Temperaturen der letzten 50 Jahre lagen höchstwahrscheinlich höher als in den vergangenen 500 Jahren. Die Ozeane erwärmten sich im globalen Mittel bis in Tiefen von 3000 m. Auf Basis von *Klimamodellen versuchen die Klimaforscher, den voraussichtlichen Temperaturanstieg des 21. Jh. für verschiedene Szenarien der zukünftigen Energienutzung zu berechnen. Bei einem Klimaschutz-Szenario mit sinkendem CO2-Ausstoß rechnet man laut IPCC-Bericht mit einem Temperaturanstieg um gemittelt 1,8 °C. Bei einem ungebremsten Wachstum des CO2-Ausstoßes würde die Temperatur wahrscheinlich um gemittelt 4 °C steigen (unter bestimmten Annahmen um bis zu 6,4 °C). Der stärkste Anstieg ist in der Arktis zu erwarten. Diese Prognosen sind naturgemäß sehr unsicher und werden von einzelnen Forschern bestritten. – Wikipedia: Globale Erwärmung; Kontroverse um die Globale Erwärmung

erneuerbare Energien (engl.: Renewable Energies, kurz:Renewables) nennt man Energieträger, die keine endlichen Ressourcen verbrauchen und nicht zum *Treibhauseffekt beitragen, weil sie natürliche Energieformen ausnutzen, die sich ständig selbst erneuern. Das sind u.a. Biomasse (Biogas, Biokraftstoffe), Erdwärme (Geothermie), Gezeitenkraft, Photovoltaik (Strom aus Solarzellen), Solarthermie (Wärme und Strom aus konzentrierter Sonnenstrahlung), Wasserkraft, Windkraft. – www.erneuerbare-energien.de (Bundesregierung)

Extremwetterlagen: Viele Klimaforscher und Rückversicherungen erwarteten um 2005 eine starke Zunahme von Hitzewellen, Dürren und sintflutartigen Regenfällen in Folge des *Klimawandels. Die Hitzewelle des Jahres 2003 kostete in Europa etwa 30.000 Menschen, meist Alte und Kranke, das Leben. Tropische Wirbelstürme (Hurrikane, Taifune) könnten vor allem an Heftigkeit weiter zunehmen. Eine Welle von Hurrikanen tötete im Spätsommer 2004 in der Karibik über 3000 Menschen. – www.g-o.de: Archiv der Naturkatastrophen und E.

FCKW: Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe sind chemisch sehr stabile, ungiftige Gase, die als Kältemittel in Kühlschränken, als Treibgase (Treibmittel) in Spraydosen und beim Verschäumen von Kunststoffen eingesetzt wurden. Sie tragen zum *Treibhauseffekt bei und zerstören viele Jahre nach ihrem Ausstoß das Ozon in der *Ozonschicht. Seit 1987 weltweit verboten. Die als Ersatzkältemittel eingesetzten FKW (Fluor-Kohlenwasserstoffe) und H-FKW verschonen zwar die Ozonschicht, sind aber *Treibhausgase.

Folgen des Klimawandels: Der im April 2007 vorgelegte 2. Teil des *IPCC-Berichtes skizziert die voraussichtlichen Folgen des *Klimawandels für die verschiedenen Erdteile: In Afrika werden demnach bis 2020 zwischen 75 und 250 Mio Menschen an Wasserknappheit leiden; die Ernten können sich teilweise halbieren; viele Hafenstädte, Mangrovenwälder und Korallenriffe sind durch den steigenden Meeresspiegel bedroht. In Asien führt die Gletscherschmelze im Himalaya zu Überschwemmungen. Bis 2050 könnten über 1 Mrd Menschen in den Flussdeltas von Wasserknappheit und Sturmfluten betroffen sein. In Australien droht ein Artensterben im Großen Barriereriff. In Europa bedrohen Hitzewellen, tropische Krankheiten, Waldbrände und Dürren die Menschen im Süden, während die Ernten im Norden besser werden. Auch hier droht ein Artensterben. In Lateinamerika drohen ein weiterer Verlust von Regenwald, ein Artensterben, die Versalzung und Versteppung von Ackerböden in den trockeneren Gebieten sowie eine Verschiebung der Fischbestände im Pazifik. In Nordamerika drohen mehr Hitzewellen, Waldschäden und Waldbrände, während die Ernten besser werden. Viele Forscher erwarten größere Schäden durch Wirbelstürme. In Arktis und Antarktis schrumpfen Meereis, Gletschereis und Permafrostböden – mit schädlichen Folgen für viele Tierarten. Kürzere Schiffahrtsrouten zählen zu den positiven Folgen. Kleine Inseln werden durch Sturmfluten, Erosion und Wasserknappheit bedroht. – Die ökonomischen F. d. K. bezifferte 2006 erstmals der *Stern-Report.

Gemeinsame Umsetzung (Joint Implementation): *Klimaschutz-Projekte (z.B. Ersatz ineffektiver durch effektivere Kraftwerke, die weniger Kohlendioxid ausstoßen), die ein Industriestaat in einem anderen Staat ohne Klimaschutzverpflichtung (z.B. in China) durchführt, und deren Sparwirkung der Investor gemäß dem *Kyoto-Protokoll von 1997 seinem eigenen Kohlendioxid-Konto gutschreiben kann.

Gletscher: Weltweit schmolzen wegen der *Erderwärmung in den 1990er und 2000er Jahren die G. rasch ab. Die Alpen-G. verloren im 20. Jahrhundert etwa die Hälfte ihrer Eismasse; im heißen Jahr 2003 verkürzten sie sich um durchschnittlich 23 m. In Nord-Alaska schmolzen im 20. Jahrhundert mehrere hundert Meter dicke Eispanzer weg. Die chinesischen G. verloren in 40 Jahren etwa 7% Eismasse. In Grönland stellte man fest, dass die untersuchten G. sich ab 1997 schneller bewegten als vorher. Am Matterhorn, am Mont Blanc und anderswo wurden etliche Felswände instabil. Alpinisten warnten 2004 vor zunehmender Gefahr durch Felsstürze, Muren und Überschwemmungen in den Alpen und im Himalaja. Die sich stetig weiter nach oben verlagernde Schneefallgrenze bedrohte Anfang des 21. Jhdts. zahlreiche Wintersportgebiete der Alpen.

Global Brightening, globale Aufhellung, nennt man das Phänomen, dass die globale Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche etwa seit 1985 wieder zunimmt. Als Ursachen gelten abnehmende Luftverschmutzung und (etwa ab 1995) die nachlassenden Folgen des Pinatubo-Vulkanausbruchs 1990. Sie verstärkt wahrscheinlich die *Erderwärmung.

Global Dimming, globale Abdunkelung, nennt man das Phänomen, dass die globale Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche 1950-1985 abgenommen hat. Als Ursachen gelten Luftverschmutzung und Vulkanausbrüche. Sie wirkt dem Treibhauseffekt entgegen und wurde deshalb früher Kühlhauseffekt genannt.

Global Warming, die *Erderwärmung

Golfstrom: Eine kontinuierliche starke Meeresströmung im Atlantik verfrachtet warmes Ober­flächenwasser aus der Karibik bis ins Nordmeer zwischen Norwegen und Grönland. Dort kühlt es ab, sinkt in die Tiefe und strömt dort zurück nach Süden. Die vom Golfstrom erwärmte Luft hält arktische Luft aus Nord­kanada davon ab, nach Europa zu strömen. Dadurch sind die Winter in Nordwesteuropa deutlich milder als in anderen Gebieten gleicher Breitengrade. Eine Art Salzpumpe, die Thermohaline Ozeanzirkulation, treibt den G. an: Am Rande der Arktis gefriert ein Teil des Oberflächenwassers zu Eis. Das Salz konzentriert sich dadurch in der darunter strömenden Wasserschicht. Dieses Wasser wird durch Abkühlung und steigende Salzkon­zentration dichter und schwerer als das tiefere Wasser, fällt deshalb in einem großen “Wasserfall” in die Tiefsee. Der *Klimawandel könnte in diesen Ablauf eingreifen: Wenn das Wasser des Golf­stroms wegen der Erderwärmung im Nord­meer nicht mehr gefriert und durch das Abschmelzen der Grönland-Gletscher große Mengen salzarmes Schmelzwasser hinzukommen, sinkt die Salz­konzentration, und die Salzpumpe stoppt. Der G. würde nicht mehr bis Europa durchkommen. Arktische Luft­strömungen hätten u.U. freien Zugang nach Europa. Der milde Westwind würde zum Eiswind. Paradoxerweise könnte die Erderwärmung also eine Eiszeit in Nordeuropa auslösen.

Greenhouse Effect, der *Treibhauseffekt

Heiße Luft (Hot Air) nennt man *Kohlendioxid-Mengen,  die nur deshalb nicht mehr ausgestoßen werden, weil Industrieregionen wirtschaftlich zusammengebrochen sind. Wegen solcher Krisen ging z.B. der Kohlendioxid-Ausstoß Russlands in den 1990er Jahren stark zurück. Nach dem *Kyoto-Protokoll kann auch H. L. im *Emissionshandel vermarktet werden.

IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, wörtl.: regierungsüber­greifendes Komitee zum Klimawandel): Der Weltklimarat IPCC wurde 1988 von der *WMO und dem UNO-Umweltprogramm UNEP eingesetzt. Er hat die Aufgabe, etwa alle 5 Jahre den Zustand des Klimasystems und seine Auswirkungen auf die menschlichen Gesellschaftssysteme festzustellen und Möglichkeiten der politischen Gegensteuerung zu benennen. Er betreibt keine eigene *Klimaforschung, sondern trägt in seinen Berichten die veröffentlichte wissenschaftliche Literatur zusammen. Seine bislang vier Berichte erschienen 1990, 1995, 2001 und 2007. Sein Vorsitzender ist seit 2005 der Inder Rajendra Pachauri. 2007 bekam das IPCC zusammen mit dem amerikanischen Klimaschützer Al Gore den Friedensnobelpreis. www.ipcc.chWikipedia 

IPCC-Bericht 2007: Der Weltklimarat *IPCC veröffentlichte im Februar, April, Mai und Oktober 2007 in vier Teilen seinen 4. Einschätzungsbericht zum Klimawandel, der den Stand der internationalen Forschung zusammenfasst. Wissenschaftler und Diplomaten rangen intern teilweise heftig um die Formulierungen. Die Vertreter Chinas und Saudi-Arabiens setzten durch, dass eine Grafik zum Zusammenhang zwischen Erwärmung und diversen Folgen aus dem 2. Teil des Berichts entfernt wurde. Vertreter der USA achteten darauf, dass in der Zusammenfassung keine Wirbelstürme in Nordamerika erwähnt wurden. Zu den Einzelheiten: *Erderwärmung; *Arktis und Antarktis; *Gletscher; *Meeresspiegel; *Treibhausgase; *Folgen des Klimawandels.

Jahreszeiten: Die herkömmlichen „kalendarischen“ Jahreszeiten richten sich in Wirklichkeit nach dem Sonnenstand, also nach astronomischen Fakten. Im Frühjahr und Sommer, auf der Nordhalbkugel vom 21. März bis 22. September, sind die Tage länger als die Nächte. Im Herbst und Winter, auf der Nordhalbkugel vom 23. September bis 20. März, sind die Tage kürzer als die Nächte. Im Winter und Frühjahr, vom 21. Dezember bis 20. Juni, nimmt die Tageslänge von Tag zu Tag zu, im Sommer und Herbst nimmt sie ab. Ursache der Jahreszeiten ist der Umstand, dass die Erdachse „schief steht“: Sie ist gegenüber der Ebene, in der die Erde die Sonne umkreist, um ca. 24° geneigt. Dadurch ist die Nordhalbkugel im Frühjahr und Sommer der Sonne zugeneigt, im Herbst und Winter von der Sonne abgeneigt. Der 21. Dezember ist auf der Nordhalbkugel der kürzeste Tag des Jahres (Wintersonnenwende), der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres (Sommersonnenwende). Am 21. März (manchmal 20. März, Frühjahrsbeginn) und am 23. September (manchmal 22. September, Herbstbeginn) sind Tag und Nacht genau gleich lang (Tag- und Nachtgleiche, Äquinoktium). Die Meteorologen lassen, um sich statistische Berechnungen und Vergleiche zu erleichtern, die Jahreszeiten dagegen jeweils schon zum 1. des Monats beginnen (den Herbst also zum 1. September). Entgegen der Bezeichnung „meteorologischer Herbst“ usw. liegen dem aber keine realen Wetterbeobachtungen zugrunde.

Klimaforschung, Klimatologie: eine interdisziplinäre Wissenschaft, Spezialgebiet sowohl der Meteorologie (Wetterkunde) als auch der Geographie; sie erforscht vor allem die statistischen Gesetzmäßigkeiten des Klimas, also des durchschnittlichen Zustands der Atmosphäre an bestimmten Orten. In Deutschland betreiben K.: das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg (www.mpimet.mpg.de); das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (www.pik-potsdam.de); das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie (www.wupperinst.org); das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven (www.awi-bremerhaven.de).

Klimamodelle versuchen, alle das Klima bestimmenden Faktoren so miteinander in Beziehung zu setzen, dass sie die historische Klimaentwicklung (soweit bekannt) möglichst genau abbilden. Hat man auf dieser Basis z.B. eine mathematische Beziehung zwischen *Kohlendioxid-(CO2-)Konzentration und Temperatur ermittelt, kann man über das K. ausrechnen, wie eine wachsende CO2-Konzentration in der Zukunft voraussichtlich die Temperaturen und weitere Faktoren wie die Höhe des Meeresspiegels beeinflussen wird.

Klimaschutz: Weltweite Bemühungen, den Ausstoß von *Kohlendioxid (CO2) und anderen *Treibhausgasen zu verringern, um *Treibhauseffekt und *Klimawandel in den Griff zu bekommen. Auch Schutzmaßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels, z. B. Deichbau an den Küsten oder Änderungen in Land- und Forstwirtschaft, werden teilweise als K. bezeichnet. 1997 entstand mit dem *Kyoto-Protokoll das erste internationale K.-Abkommen, das aber erst 2005 in Kraft trat. Mittel des K. sind z.B. die Verbesserung der *Energieeffizienz oder der Einsatz *erneuerbarer Energien. – Die Bundesregierung zum K.

Klimawandel (Klimaveränderung, engl. Climate Change) nennt man sowohl die natürliche Veränderung des Klimas, die sich im Verlauf von Jahrtausenden entwickelt, also auch (im engeren Sinne) die ungewöhnlich rasche Erwärmung des Erdklimas in den Jahren seit 1860, vor allem aber seit Anfang der 1970er Jahre, und ihre klimatischen Folgen, z. B. das Abschmelzen der *Arktis und der *Gletscher, den Anstieg des *Meeresspiegels (*Folgen des K.). Als *Erderwärmung (Globale Erwärmung, engl. Global Warming) bezeichnet man einen Aspekt des K., die Erwärmung als solche. Als wichtigste Ursache gilt der *Treibhauseffekt durch *Kohlendioxid. 1988 wurden die Meldungen zum K. erstmals offiziell von der UNO registriert; 1990 legte das *IPCC den ersten Einschätzungsbericht zum K. vor; 1992 war der K. erstmals Gegenstand einer UNO-Konferenz und einer internationalen Konvention (*UNFCCC); 1997 entstand mit dem *Kyoto-Protokoll das erste internationale Abkommen mit konkreten Gegenmaßnahmen; 2001 legte das IPCC den 3. Einschätzungsbericht zum K. vor; 2002 schaffte es die neue US-Regierung Bush beinahe, den K. wegzudisputieren; 2007 war er Thema Nr. 1 des G8-Gipfels in Heiligendamm. – Wikipedia: Klimaveränderung; Globale Erwärmung; Kontroverse um die Globale Erwärmung; Umweltbundesamt: K./Klimaschutz

Kohlendioxid (CO2, genauer: Kohlenstoffdioxid) ist ein farb- und geruchloses, ungiftiges Gas, das Verbrennungsprodukt des Kohlenstoffs. Es wird bei der Atmung von Pflanzen und Tieren sowie beim Verbrennen von Holz und fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas) in die Atmosphäre entlassen und trägt wesentlich zum *Treibhauseffekt bei. Umgekehrt können die Ozeane und nachwachsende Wälder K. der Atmosphäre entziehen (Kohlenstoffsenken). Die K.-Konzentration der Atmosphäre stieg 1880-2000 von 0,28 auf 0,37 %.

Kohlenstoffsenken (Kohlendioxid-Senken) nennt man natürliche Depots im globalen Kohlenstoffkreislauf: Neu heranwachsende Wälder z.B. deponieren in ihrer Biomasse Kohlenstoff, den sie als Kohlendioxid der Luft entnommen haben. Kieselalgen im Meer deponieren Kohlenstoff in Form kalkhaltiger Schalen, die zu Boden sinken. Bei der Umstellung des Ackerbaus auf flacheres Pflügen wird mehr CO2 im Boden gebunden. Kanada, Japan und Russland setzten 2001 durch, dass sie einen Teil ihrer Klimaschutz-Verpflichtungen über Aufforstungs- und Ackerbauprojekte erfüllen dürfen. Wissenschaftler wiesen jedoch 2000-2002 mehrere Faktoren nach, die dem Senkeneffekt entgegenwirken: Waldflächen nehmen mehr Sonnenwärme auf als Acker- und Weideland, was die Erderwärmung verstärkt; wenn Grasland durch Gehölze verdrängt wird, wird teilweise sogar mehr CO2 aus dem Boden frei gesetzt, als die Gehölze beim Wachsen aufnehmen.

Kühlhauseffekt (engl. whitehouse effect): Die dem *Treibhauseffekt entgegengesetzte Wirkung bestimmter *Aerosole in der Atmosphäre, z. B. von Vulkanasche, Rauchgasen (Schwefeldioxid) aus Kraftwerken, Waldbränden usw. Aerosole reflektieren das Sonnenlicht nach außen und bewirken eine Abkühlung der Troposphäre. Ähnlich wirken die polaren Eisflächen (*Albedo).

Kyoto-Mechanismen: Das *Kyoto-Protokoll von 1997 und die Beschlüsse späterer Weltklimagipfel sehen mehrere Mechanismen vor, die es den Industrieländern erlauben, ihre Reduktionsverpflichtungen beim *Kohlendioxid-Ausstoß teilweise auf andere Länder abzuwälzen oder andere Maßnahmen dagegenzurechnen: *Emissionshandel, *Gemeinsame Umsetzung, *Kohlenstoffsenken, *Lastenteilung, *Mechanismus für saubere Entwicklung

Kyoto-Protokoll: 1997 vereinbarten in Kyoto/Japan Vertreter von 160 Staaten zum ersten Mal verbindliche *Klimaschutz-Ziele: Die Industriestaaten reduzieren demnach ihren Ausstoß von sechs *Treibhausgasen bis 2012 gegenüber 1990 um 5,2% (gemessen im Durchschnitt der Jahre 2008-2012), und zwar Japan um 6%, die USA um 7%, die EU-15 um 8%. Im Februar 2005 trat das K.-P. in Kraft, nachdem Russland es ratifiziert hatte. Australien ratifizierte es Ende 2007. Die USA blieben als einziger Industriestaat außen vor. Die Reduktionsziele der Länder können teilweise auch dadurch erreicht werden, dass man Klimaschutz-Projekte in Entwick­lungsländern fördert (*Kyoto-Mechanismen). Ein internationaler *Emissionshandel soll dafür sorgen, dass Klimaschutz-Investitionen da vorgenommen werden, wo sie am effizientesten sind. – Wikipedia: Kyoto-Protokoll

Lachgas (Distickstoffoxid, N2O): Das ungiftige Gas wird von stickstoffhaltigem Mineral­dünger an die Luft abgegeben, ist in Autoabgasen enthalten, trägt zum *Treibhauseffekt bei und ist am Abbau der *Ozonschicht beteiligt.

Lastenteilung (Burden Sharing): Mehrere Länder (z.B. die EU-Staaten) können nach dem *Kyoto-Protokoll eine gemeinsame Gesamtverpflichtung zur Reduktion von *Treibhausgasen übernehmen und untereinander aushandeln, welches Land wie viel dazu beiträgt.

Mechanismus für saubere Entwicklung (Clean Development Mecha­nism): Entwicklungshilfeprojekte von Industriestaaten in Entwicklungsländern, die auch eine Reduktion des *Kohlendioxid-Ausstoßes zum Ziel haben und deren Spareffekt sich der Investor beim *Emissionshandel gutschreiben kann.

Meeresspiegel: Der M. stieg laut *IPCC-Bericht (2007) im 20. Jhdt. um 17 cm und 1993-2005 um 3,6 cm. Ursachen waren die Wärmeausdehnung des Wassers und das Abschmelzen von Eis. Das wärmer werdende Wasser der Ozeane dehnt sich aus, und abschmelzende *Gletscher vergrößern die Menge des Meerwassers. Das Abschmelzen der arktischen Eisplatte erhöht den M. nicht, da die Wasserverdrängung durch das schwimmende Eis genau der Wassermasse des Eises entspricht.

Methan (CH4): Das farb- und geruchlose, ungiftige Gas ist Hauptbestandteil von Erdgas und Biogas. Es entsteht bei Fäulnisprozessen, z. B. in Sümpfen, Reisfeldern, bei der Verdauung der Rinder, in Mülldeponien und Klärschlamm und trägt zum *Treibhauseffekt bei. Ein Auftauen der nordsibirischen Tundra könnte große Mengen M. frei setzen. Im Tiefenwasser vieler Ozeane ist M. in Form von Hydraten eingeschlossen.

Nordatlantische Oszillation (NAO) nennen Meteorologen das Phänomen, dass sich der Luftdruckunterschied zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch in einem mehrjährigen Zyklus ändert. Ist der Unterschied hoch, entsteht eine Westwindströmung, die milde, regenreiche Luft nach Europa bringt. Ist der Unterschied schwach, kommt Europa im Winter in den Bereich kalter, trockener Luft aus Russland. Die NAO ist mit der *Albedo der Arktis verknüpft.

Ozon (O3) ist eine kurzlebige Verbindung aus drei Sauerstoff-Atomen; ein stechend riechendes, chemisch aggressives, teilweise gesundheitsschädliches Gas. Entsteht aus Sauerstoff (O2) z. B. bei starker Einstrahlung von ultraviolettem Licht (UV-Licht), vor allem in der *Ozonschicht der Stratosphäre (in 20-30 km Höhe). In Bodennähe kann sich an sonnigen Sommertagen unter dem Einfluss von Autoabgasen Ozon bilden (Sommersmog). Dieses bodennahe Ozon trägt zum *Treibhauseffekt bei.

Ozonloch: Ein Bereich der Ozonschicht über der Antarktis, in dem das Ozon regelmäßig im antarktischen Frühjahr (September/Oktober) stark abgebaut wird. Dadurch gelangt ungefiltertes, für Lebewesen schäd­liches UV-Licht bis zum Erdboden. Das Ozonloch war 1985-2000 in geraden Jahren stets größer als in ungeraden.

Ozonschicht: Eine Luftschicht in der *Stratosphäre in etwa 20-30 km Höhe, in der sich durch das UV-Licht der Sonne besonders viel *Ozon bildet. Dabei wird ein Großteil der schädlichen UV-Strahlung der Sonne absorbiert. Verschiedene vom Menschen produzierte Gase, vor allem *FCKW und Halone, bauen das Ozon in der Ozonschicht ab. Als Folge gelangt mehr UV-Licht bis zur Erdoberfläche, und es kommt  vermehrt zu Verbrennungen an Pflanzen, Sonnenbrand, Hautkrebs und Grauem Star. Diese Effekte haben nichts mit dem *Treibhauseffekt zu tun.

Positive Rückkopplungen nennt man Effekte, mit denen der *Klimawandel sich selbst verstärkt, z.B. die Freisetzung von *Methan aus der auftauenden Tundra.

Sonnenaktivität nennt man das in einem 11jährigen Zyklus auftretende Erscheinen von Sonnenflecken und Sonneneruptionen. Seit 1945 wird eine wachsende S. beobachtet. Sie beeinflusst möglicherweise indirekt das Klima. Wachsende S. verstärkt den Sonnenwind; das sind Teilchen, die die Sonne abstrahlt. Der Sonnwind verformt das Magnetfeld der Erde und schirmt so einen Teil der kosmischen Höhenstrahlung von der Erde ab. Diese ist an der Bildung von Wolken beteiligt, indem sie Kondensationskeime für den Wasserdampf erzeugt. Stärkere S. könnte also die Wolken­bildung verringern und so zur Erderwärmung beitragen. Die *Erderwärmung der 1980er, 1990er und 2000er Jahre lässt sich nach den Ergebnissen der weitaus meisten Klimaforscher jedoch nicht auf die S. zurückführen.

Sonnenintensität nennt man die Stärke der auf die Erdoberfläche treffenden Sonnenstrahlung. Sie hat bis etwa 1985 abgenommen (Global Dimming) und steigt etwa seitdem wieder an (Global Brightening).

Stern-Report: Im Oktober 2006 veröffentlichte die britische Regierung einen Bericht des Ökonomen Nicholas Stern über die voraussichtlichen wirtschaftlichen Folgen des *Klimawandels und die voraussichtlichen Kosten ihrer Vermeidung. Zentrale Aussage des Berichts war, dass Klimaschutzmaßnahmen für rd. 270 Mrd € im Jahr nötig wären, um volkswirtschaftliche Schäden in fünffacher (oder bis zu 20-facher) Höhe zu vermeiden. – Wikipedia: Stern-Report

Stratosphäre: Die zweitunterste Schicht der Atmosphäre liegt zwischen 12 km und 50 km Höhe und enthält die *Ozonschicht.

Transformationsländer: Russland und die osteuropäischen Länder Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien, die Ukraine und Ungarn befinden sich im Übergang (in Transformation) zur Marktwirtschaft. Sie bilden eine eigene Gruppe im *Kyoto-Protokoll, da sich ihr *Kohlendioxid-(CO2-)Ausstoß durch den Abbau der alten Industrien stark verringert hat.

Treibgase (Treibmittel) von Spraydosen enthielten früher *FCKW und sind für den Abbau der *Ozonschicht verantwortlich. Wegen des ähnlichen Namens werden sie gelegentlich mit den *Treibhausgasen verwechselt. Manche T. wirken tatsächlich als Treibhausgase.

Treibhauseffekt (engl. greenhouse effect): Die Erwärmung der unteren *Troposphäre und der Meeresoberflächen unter dem Einfluss von *Treibhausgasen. Diese Gase lassen das direkte Sonnenlicht ungehindert passieren, absorbieren aber einen großen Teil der von der Erdoberfläche abgestrahlten Wärme und geben die Hälfte davon wieder nach unten ab. Ohne den natürlichen T.  des Wasserdampfs und des Kohlendioxids wäre es auf der Erde über 30 °C kälter. Der vom Menschen verursachte zusätzliche T. (anthropogene T.) beruht nach Schätzungen (IPCC 1996) zu 64% auf *Kohlendioxid aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Erdöl, Erdgas); zu 20% auf *Methan, zu 16% auf anderen Treibhausgasen. – Wikipedia: Treibhauseffekt

Treibhausgase (engl. greenhouse gases) sind Spurengase in der Atmosphäre, die den *Treibhauseffekt auslösen. Die wichtigsten natürlichen T. sind *Wasserdampf, *Kohlendioxid und *Methan. Das *Kyoto-Protokoll von 1997 definiert als anthropogene (d. h. durch menschliche Tätigkeit ausgestoßene) T.: Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, Methan (CH4) aus Landwirtschaft und Kläranlagen, *Lachgas (Distickstoffoxid, N2O), teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFC), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFC) und Schwefelhexafluorid (SF6). Laut *IPCC-Bericht (2007) stieg die CO2-Konzentration 1750-2005 von 0,028 auf 0,0379 % (bzw. von 280 auf 379 ppm). Das ist die höchste Konzentration der letzten 650.000 Jahre. Die Steigerung beim CO2 ging zu 78% auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe und zu 22% auf die Rodung von Wäldern u.ä. zurück. Die Methan-Konzentration stieg seit 1750 um 148%. Ursache war hier vor allem die Viehzucht. – Wikipedia: Treibhausgas

Treibhausgas-Intensität (greenhouse gas intensity): Dieser Maßstab wurde 2002 von der US-Regierung Bush eingeführt. Er gibt das Verhältnis des Ausstoßes von Treibhausgasen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) an. Die von US-Präsident George Bush im Februar 2002 verkündete Zielvorgabe sieht vor, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 um 18% von 183 auf 151 t pro Mio. $ BIP zu senken.

Troposphäre: Die unterste Schicht der Atmosphäre, bis etwa 12 km Höhe. Sie enthält zwei Drittel der Gasmasse, in ihr entstehen Klima und Wetter.

UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNO-Rahmenkonvention zum Klimawandel): Der erste internationale Vertrag zum Thema Klimawandel wurde 1992 ausgehandelt, trat 1994 in Kraft und wurde von 192 Staaten ratifiziert. Er sieht vor allem die gegenseitige Information der Staaten über Ursachen und Folgen des Klimawandels vor. Das Sekretariat der U. verwaltet auch das *Kyoto-Protokoll von 1997. http://unfccc.int

Wasserdampf, also gasförmiges Wasser, ist das wichtigste natürliche *Treibhausgas. Steigt die Temperatur der Meeresoberflächen, verdunstet mehr Wasser, es gibt also mehr W. Kondensiert W. zu Wolken, sinkt die W.-Konzentration der Atmosphäre wieder. Klimamodelle müssen diese Effekte berücksichtigen.

WMO (World Meteorogical Organization, Weltorganisation für Meteorologie): eine Sonderorganisation der UNO für Wetterkunde und Geophysik mit Sitz in Genf, 1950 gegründet (als Nachfolgerin der 1873 gegründeten International Meteorological Organization IMO). Sie koordiniert u. a. die weltweite *Klimaforschung. www.wmo.ch

 

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