Initiative »Denk mal Baum«


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Baumpaten gesucht

Viele bedrohte Bäume können gerettet werden, wenn sich in der Nachbarschaft Paten finden, die sich um den Baum kümmern.

Paten können z. B.

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Maria Ast aus Bielefeld-Schildesche hat im Sommer 2008 in einem Interview mit der "Neuen Westfälischen" die Baumpatenschaften angeregt:

Einen Paten für jeden Baum

INTERVIEW: Maria Ast (54), Baumhüterin, über Kindheitserfahrungen, Lebensqualität und die Grenzen einer Satzung

Bielefeld. Als ein Forstunternehmer Anfang Juni zwei mehr als 100 Jahre alte Eichen an der Rosenheide in Schildesche fällte (die NW berichtete), fühlte Augenzeugin Maria Ast „Wut und Trauer“. Die 54-jährige Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung beschloss, sich für den Baumschutz einzusetzen. Unser Mitarbeiter Matthias Tonhäuser sprach mit Ast über ihre Idee, für jeden Baum in Bielefeld Paten zu finden.

Frau Ast, sind Sie von ihrem Namen her dazu auserkoren, Bäume zu schützen?

AST: Vielleicht (lacht). Meine Zuneigung zu Bäumen hat sich langsam entwickelt. Für ihren Schutz habe ich mich bislang wenig eingesetzt, ich hatte immer „gerade etwas anderes“ zu tun. Die Baumfällung in der Rosenheide war aber der Anstoß, mich für den Schutz der Bäume zu engagieren.

Was fasziniert Sie so an Bäumen?

AST: Bäume waren die Begleiter meiner Kindheit und etwas, was immer da war, was man sich nicht wegdenken kann. Ich bin mitten auf dem Land groß geworden, da gab es nur Bäume und Felder, in denen wir gespielt haben. Außerdem mag ich, dass Bäume so friedlich sind, dass sie Botschafter von etwas sind. In einer Welt, wo sich alles wandelt, sind Bäume etwas Beständiges. Ohne Bäume gäb's kein Leben, ganz platt.

Gibt es irgendeine Begebenheit aus Ihrer Kindheit im Zusammenhang mit Bäumen, an die Sie sich besonders erinnern?

AST: Ich habe mich mal mit meinem Bruder gestritten und bin dann mit meiner Freundin in einen Apfelbaum geklettert. Das habe ich öfter gemacht, und da hat mich keiner gefunden. Das war eine kleine Zufluchtsstätte.

Wie hat sich die Zuneigung zu Bäumen im Laufe ihres Lebens weiterentwickelt?

AST: Es ist so wie ein stetiges Begleiten, und irgendwann kommt ein Ereignis, und man denkt: „Aha, das hat dich die ganze Zeit begleitet.“ Spektakulär war es nicht, tut mir leid. Spektakulär war, wie es mich berührt hat, als die beiden alten Bäume in Schildesche gefällt wurden.

Was haben Sie da empfunden?

AST: Wut und Trauer. Und ich habe ja schon damals gesagt: Ohnmacht. Dann habe ich dokumentiert, dass die keine Zwieback-Brösel innen drin hatten. Als ich dachte, dass sie noch die nächsten zehn fällen, habe ich die Zeitung angerufen.

Was haben Sie dann getan?

AST: Ich habe eine E-Mail an das Umweltamt, einen Baumgutachter und meine Bekannten geschrieben. Ich habe gefragt, was ich denn zum Schutz der Bäume tun kann. Mein Bekannter hat mir geschrieben, dass er bereits mit dem Projekt www.bielefelder-baeume.de versucht, Bäume zu schützen. Das finde ich sehr gut, da werde ich sicher auch aktiv.

In dieser E-Mail haben Sie auch Ihre Idee vorgestellt, Baumpatenschaften ins Leben zu rufen. Wie sollen diese denn aussehen?

AST: Völlig simpel. Eigentlich geht es mir vor allem darum, ein Bewusstheit bei den Leuten zu schaffen, dass Bäume einen unheimlichen Anteil an ihrer Lebensqualität haben. Jeder sucht sich einen Baum aus und sagt: Für den fühle ich mich verantwortlich. Man baut eine „Beziehung“ zu dem Baum auf, wie man das auch zu Menschen macht. Den einen Baum, den ich mag, da würde ich mich auch halbwegs festketten. Der ist nichts besonderes, aber der ist mein Baum. Das ist ähnlich wie die Rose im Buch „Der kleine Prinz“.

Und was sollen die Menschen mit „ihrem“ Baum machen?

AST: Erstmal gar nichts, von mir aus. Zugucken, wie bereichert es mein Leben, mich für einen Baum verantwortlich zu fühlen, ist vor allem wichtig. Vielleicht sollte man auch ein kleines Schild dranmachen: Dieser Baum wird von jemandem gemocht. Ich hätte wirklich Lust, die Bielefelder Bürger zu fragen, was für Ideen sie noch haben, um Bäume zu schützen.

Und glauben Sie auch, dass Ihr Konzept Erfolg haben kann?

AST: Man kann denken: „Die Idee ist nicht spektakulär genug und deswegen wird es nichts.“ Ich glaube eher: „Weil es nicht spektakulär ist, wird es ein Erfolg.“

Sind Sie der Ansicht, dass die Politik genug für den Schutz der Bäume unternimmt?

AST: Ich habe auch an der Rosenheide mit Leuten diskutiert, die sagten: „Wir durften unseren Baum wegen der Baumschutzsatzung nicht abschneiden, das war ja unmöglich.“ Es wird also ein Extremfall genommen und gesagt, deswegen soll es keine Satzung mehr geben. Man sollte stattdessen situativ entscheiden, ob ein Baum stehen bleibt oder nicht. Wenn jemand auf einem privaten Grundstück einen Baum fällen will, soll er das von mir aus auch machen. Ich habe eher die Absicht, eine Bewusstheit dafür zu schaffen, dass wenn zum Beispiel diese zehn Bäume an der Rosenheide gefällt werden, sich das Stadtbild verändert. Die Leute sollten auch nicht immer mit Geboten oder Verboten allein gelassen werden, es sollten ihnen Hilfestellungen an die Hand gegeben werden.

Es gibt natürlich auch Situationen, in denen Bäume zum Beispiel aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden müssen.

AST: Dann wäre es ja zumindest eine Idee, dass für jeden Baum, den jemand fällt, ein anderer woanders angepflanzt werden muss. Vielleicht spendet ja jemand ein Grundstück dafür.

Wenn Sie einen Baum adoptieren könnten, dann wäre das ihr Lieblingsbaum am Johannisbach in Schildesche?

AST: Ja. Sie können ja auch mal versuchen, wie das so ist, wenn man einen Baum umarmt.

Sie umarmen Bäume?

AST: Das mache ich immer. Viele Leute erschrecken sich und sagen: „Was machen Sie denn?“ Das stört mich nicht. Ich frage den Baum: „Was möchtest du mir heute mitteilen?“ Ich finde, das befreit.

© 2008 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Mittwoch 30. Juli 2008



„Die Idee von Frau Ast ist toll“

Reaktionen der Leser zu dem Vorschlag, Bielefelder Bäume zu adoptieren

Bielefeld (ton). Maria Asts Idee trägt erste Früchte: Die Leser der Neuen Westfälischen haben am Lesertelefon im überwiegenden Maße positiv auf den Vorschlag der „Baumhüterin“ reagiert, Patenschaften für Bielefelder Bäume zu übernehmen (NW von gestern).

„Ich finde es toll, dass das mal jemand in die Hand nimmt“, sagte Nicole Adler (40). Wie Ast habe es auch ihr „sehr weh“ getan, als eine Buche, an der sie häufig mit ihrem Hund vorüber spaziert ist, plötzlich gefällt wurde. „Wenn wir in Bielefeld schon kein Gewässer haben, sollten wir wenigstens Bäume haben.“ Sie werde sich mit Ast in Verbindung setzen: „Ich würde auch einen Baum adoptieren.“

Auch Ursula Spila weiß schon genau, auf welchen Baum sie aufpassen würde: „Ich habe hier eine kleine Eiche in einem Topf großgezogen.“ Jetzt sei sie zu groß und da würde sie den Baum gerne irgendwo einpflanzen: „Am liebsten in der Senne, da bin ich groß geworden.“

Gisela Schütze (78) kann sich „ein Leben ohne Bäume nicht vorstellen.“ Es sei einfach herrlich, auf dem Balkon zu sitzen und ins Grüne schauen zu können. Sie erinnerte sich daran, wie sie nach dem Krieg Bucheckern für Speiseöl gesammelt habe: „Davon wurden dann Püfferchen gebacken.“

Elisabeth Röhl (82): „Die Idee von Frau Ast ist super.“ Bäume verursachten zwar im Herbst viel Arbeit, aber: „Lieben tue ich sie trotzdem.“ Besonders ins Herz geschlossen habe sie eine Linde vor ihrem Haus: „Die würde ich auch adoptieren.“

Rainer Hahn (Grüne), freute sich über das „hervorragende Beispiel von bürgerschaftlichem Engagement“. Wer einen Baum adoptieren wolle, könne sich auch an den Umweltbetrieb unter Tel. (0521) 51 0 wenden.

© 2008 Neue Westfälische
Bielefelder Tageblatt (MW), Donnerstag 31. Juli 2008