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Die Neue Rechtschreibung in aller Kürze:
Straße, Spaß und Grüße immer noch mit ß!

Ein Überblick, wo in der Praxis die häufigsten und wichtigsten Änderungen liegen – und auch, wo die Irrtümer lauern.

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Wo wird ß zu ss?

Immer, wenn es auf einen kurzen, schnellen Vokal folgt wie bei dass, muss, Kuss, lässt, passt.

Hier folgt das s jetzt den übrigen Konsonanten, die ja auch dann doppelt stehen, wenn der Vokal davor kurz und schnell ist: matt, satt, stramm, knapp. Aus dem gleichen Grund werden jetzt auch Ass, Stopp und Tipp mit Doppel-s bzw. -p geschrieben (früher: As, Stop, Tip).

Nach langem Vokal und Doppel-Vokal bleibt das ß. Die Straße wird also auch nach neuer Rechtschreibung mit ß geschrieben, genau wie Spaß, bloß, groß, Gruß, Grüße, Fuß, Füße, beißen, heißt, außen, Strauß.

Wie wird jetzt getrennt?

Grundsätzlich wird jetzt immer nach Sprechsilben getrennt; die Trennung kommt dahin, wo auch beim Sprechen die Pause ist: deshalb jetzt a-ber, Pä-da-go-ge (statt Päd-ago-ge), he-rein, da-rin, da-rauf, Kas-ten, Fris-ten, Lo-cken, ga-ckern.

Brutal wie es das Fernsehen lehrt trennen wir jetzt das st, auch wenn es vor Schmerzen wimmert. Das ck dagegen wird nicht mehr zu k-k, sondern rutscht komplett in die neue Zeile – genau wie ch und sch es schon früher taten.

Übrigens: Die Um-lei-tung wurde auch früher schon so getrennt und nicht anders!

Das Ganze ist aber kein Freibrief für Trenn-Orgien. Einen kultivierten Text erkennt man weiterhin u. a. daran, dass

Wie verbindet man Zahlen mit Wörtern?

Zusammengesetzte Wörter, die aus einer Zahl und einem anderen Wort bestehen, werden jetzt mit Bindestrich getrennt: 16-jährig, die 17-Jährige, der 24-Seiter, 99-prozentig.

Für Zahlen von eins bis zwölf gilt aber nach wie vor: Wenn sie als Wort im Satz oder in einer satzartigen Formulierung stehen, schreibt man sie aus, auch in solchen Zusammensetzungen (also: der achtjährige Sohn packte seine sieben Sachen). Wenn sie als Nummer, Seitenzahl o. ä. auftreten, schreibt man sie hingegen als Ziffer.

Die 90er Jahre bleiben ohne Bindestrich, weil "90er" kein zusammengesetztes Wort ist. Und: Dinger wie "90iger" oder "90-ziger" sind so falsch wie ehedem. Das sieht man, wenn man die 90 ausschreibt: 90 heißt neunzig, 90er heißt neunziger, 90ger heißt neunzigger, 90iger heißt neunzigiger, 90ziger heißt neunzigziger.

Was wird jetzt getrennt geschrieben?

Das ist das schwierigste Kapitel, und in Zweifelsfällen muss man leider einzeln nachschlagen.

Neuerdings getrennt geschrieben werden Zusammensetzungen aus

Wörter wie "davonschwimmen", "zurückblicken", "deutschsprachig", "entgegensetzen" und "zusammenschreiben" werden nach wie vor zusammengeschrieben, weil die Adverbien davon, zurück, deutsch, entgegen, zusammen ihrerseits nicht zusammengesetzt sind; man kann sie nicht in zwei selbständige Wörter trennen. Übrigens heißt es jetzt offiziell „selbstständig“, aber diese Regel ignoriert der Autor, da sie der Aussprache des Wortes widerspricht.

Wörter wie "handbetrieben" und "ölverschmiert" müssen weiterhin zusammengeschrieben werden, da man zusätzliche Präpositionen einfügen müsste, wenn man sie trennen will: von Hand betrieben, von (oder durch) Öl verschmiert.

Leider produzieren die meisten Zeitungen hier weiterhin Chaos und schreiben viel zu viele Wörter getrennt. In diesem Bereich war die Rechtschreibreform nicht ganz durchdacht, da sie in manchen Fällen (z.B. "viel sagend") der Aussprache der Wörter widerspricht.

Wo kommt das Komma hin?

Es gibt noch gute Nachrichten: Das Komma kommt jetzt da hin, wo jeder es haben will, d. h. da, wo er oder sie eine Sprechpause machen würde. Einige undurchschaubare Kommaregeln wurden einfach abgeschafft. Vor "und"-Sätzen und vor dem Infinitiv mit "zu" kann jetzt ein Komma stehen oder auch nicht: Sie ging hin und er schaute weg. Sie ging hin, und er schaute weg. Er versuchte sich loszumachen. Er versuchte, sich loszumachen.

Haupt- und Nebensatz werden aber nach wie vor immer mit Komma getrennt: Ich kam nicht weit, weil... Der Kunde, der gestern angerufen hat, wollte... Als sie die Straße überquerte, fuhr...

Wenn nach Wörtern wie "darauf", "davon" kein dass-Satz, sondern eine Infinitivgruppe folgt, muss diese ebenfalls in Kommas gesetzt werden: Davon, hier sauber machen zu müssen, war vorher keine Rede.

Was wird groß geschrieben?

Mehr als früher. Wenn früher die Faustregel galt: "im Zweifel klein schreiben", dann gilt jetzt: "im Zweifel groß". Das gilt im Großen und Ganzen, besonders aber heute Abend und Freitag Mittag, betrifft den Nächsten und das Folgende: auf Grund, auf Englisch, auf dem Laufenden, aufs Beste; natürlich auch beim Ball spielen, Rad fahren, Recht haben, Angst haben.

Eine Schifffahrt auf dem Ketschapsee usw.

Dass Schifffahrt und Brennnessel jetzt mit Dreierkonsonanten geschrieben werden, wie auch früher schon Sauerstoffflasche und Fetttropfen, hat in der Praxis viel weniger Bedeutung, als es in der Diskussion über die Reform hatte; die Wörter kommen einfach nur selten vor. Die Eindeutschung von Fremdwörtern (Spagetti mit Ketschap) ist ohnehin Geschmacksache und dem Einzelnen überlassen; die fremdsprachlichen Schreibungen sind weiterhin korrekt.

Was öfter vorkommt, sind folgende Angleichungen:

Nummer, deshalb jetzt auch nummerieren (früher: numerieren)
Platz, deshalb jetzt auch platzieren (früher: plazieren)
grau, deshalb jetzt auch rau (früher: rauh)
Grauen, deshalb jetzt Gräuel (früher: Greuel)
Aufwand, deshalb jetzt auch aufwändig (früher: aufwendig)
Hände, deshalb jetzt behände (früher: behende)
Überschwang, deshalb jetzt überschwänglich (früher: überschwenglich).

Man nennt das Stammschreibung: Die Wörter sollen so geschrieben werden wie ihr Wortstamm.


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